Fütterung von Aquarienfischen

Aus Meerwasserwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

.. von Dietmar Schönfelder..

Grundsätzlich sind bei der Fütterung von Fischen einige Aspekte zu beachten. Wesentlichen Einfluss auf die Futterverwertung und damit auf das Wachstum hat der Bau der Verdauungsorgane. Betrachten wir den Aufbau des Verdauungssystems, fallen die Unterschiede zu anderen Tierklassen auf. Auch innerhalb der Arten gibt es erhebliche Unterschiede im Verdauungssystem. Die genauere Kenntnis der Futterverwertung und die optimale Fütterung ist das Ziel dieses Beitrages.
Im Einzelnen gehe ich auf die Inhaltsstoffe und deren Wirkungsweise auf den Organismus ein, einige Lösungsansätze zur Methodik bei Futterproblemen sollen einen Hilfestellung bei der Fütterung sein. Dabei möchte ich mich im Wesentlichen auf die Fische beschränken. Die Zusammensetzung der Nahrung ist auch bei Futterspezialisten vielseitiger als es auf den ersten Blick scheint. Es ist bekannt, dass keine Pflanzenfresser ohne tierisches Eiweiß und keine Fleischfresser ohne pflanzliche Nahrung auskommen.

Welche Aspekte gilt es zu berücksichtigen ?

Die Stoffwechselvorgänge sind von mehreren Faktoren abhängig, die wir bei der Ernährung berücksichtigen müssen. Je nach Tierart, Alter, Bewegungsdrang, Sexualität und Revieranspruch gibt es dabei erhebliche Unterschiede. Auch der bevorzugte Eiweißstoffwechsel macht eine kontrollierte Fütterung und Auswahl von Futtermitteln erforderlich um die Wasserqualität auf ein für alle Tiere erträgliches Niveau zu halten. Auf Grund der Vielzahl von Faktoren ist es wichtig eine geeignete Palette von Futter bereitzustellen.
Welche Möglichkeiten bieten sich dafür an? Im Prinzip haben wir die Möglichkeit auf drei wesentliche Futtermittel zurückzugreifen. Jede hat Vor- und Nachteile, die eine Auswahl oder Kombination erfordern. Im einzelnen gehe ich auf einige ein in der Hoffnung die Pflege zu optimieren. Doch einige Hinweise zur Zusammensetzung des Futters möchte ich noch voranstellen.

Die Inhaltsstoffe

Das Futter setzt sich aus verschiedenen Mengenanteilen aus:

zusammen.

Vitamine:

Sie werden grundsätzlich von allen Fischen benötigt. Sie lassen sich am besten durch Wasserpflanzen zuführen oder durch Algen. Sie haben eine andere Vitaminkombination als Landpflanzen. Vitamine werden sehr gut an Fette gebunden. Essentiell für alle Fische ist das ß- Karotin.


Kohlenhydrate ...

bestehen aus Cellulose, Stärke und Zuckerverbindungen, sie können teilweise Fett ersetzen aber auch der Gegenfall ist möglich. Bei zu hohen Konzentrationen von Kohlehydraten muss man allerdings bedenken, dass der Blutzuckerspiegel erhöht und der Stoffwechsel gehemmt wird.


Fette ...

besser als Lipide bezeichnen, z.B. Stearin, Lipochrom und Omega-3-Fettsäuren; sie sind in Pflanzen und Fischfleisch enthalten. Fette von Säugetieren sind als Futterzusatz nicht geeignet, sie sind nicht verdaulich. Sterba verweist auf einen Fettanteil von >2% in der Nahrung (Lebendfutter). Ein erhöhter Fettanteil hat den Vorteil dass weniger Stickstoffanteil ausgeschieden wird (Atmung und Exkremente) und somit wird das Wasser erheblich weniger belastet. Erstmals sind diese Eigenschaften von Schäperclaus Anfang der 30iger Jahre beschrieben worden. Das Wachstum wird durch den erhöhten Fettanteil angereicherter Futterstoffe beschleunigt.

Proteine ...

es sind Makromoleküle aus Polypeptiden Ketten bestehend bzw. zusammengesetzt. Deren Grundbausteine sind die Aminosäuren (bis zu 20 sind für Fische essentiell) welche von außen zugeführt werden müssen. Eine genaue Klärung welche Aminosäuren essentiell sind ist in vielen Fällen für einzelne Fischarten (Ausnahme sind einige Nutzfische für die Ernährung) nicht bekannt! Fische haben einen 2-3-mal höheren Proteinbedarf als die meisten Wirbeltiere.


Vorteile der Lebendfütterung

Lebendfutter hat einige Eigenschaften, die eine Ernährung durch Ersatzstoffe nicht oder nur sehr eingeschränkt bietet. Das arttypische Verhalten wird durch die Auswahl des richtigen Lebendfutters gefördert und ist ein Beitrag zur arterhaltenden Zucht.

Die Futtertiere unterstützen die Fische mit Hilfe der in ihrem Darm wirkenden Enzyme. Vitamin bildend und Verdauung fördernd ist Lebendfuttergabe für die Darmflora der Fische. Die Futtertiere beinhalten vorverdaute Nahrung und enthalten zumeist pflanzliche Anteile, die die Fische nutzen können. In den Futtertieren sind Algen und Protozoen in konzentrierter Form für die Fische verfügbar (Maskierung der Futtermittel). Stoff Freisetzungen durch abgestorbenes Material (bei aufgetauten Frostfutter) sowie Abriebe (bei Trockenfutterarten) entfallen und belasten das Wasser nicht.

Hormonelle Substanzen, Vitamine usw. werden in biologisch zuträglichen Mengen und Proportionen verabreicht. Das ist besonders für Fortpflanzungsprozesse von Bedeutung. Nicht oder schwer verdauliche Nahrungsstoffe wie z.B. Kollagen sind in Lebendfutter fast nicht enthalten und beeinflussen damit die Verdauung und Ernährung nicht negativ.

Leider ist eine Futterzucht erheblich Zeit- und Energieaufwändig, so dass man nur eingeschränkt auf diese Fütterungsart zurückgreift oder nur bei bestimmten Tierarten anwendet. Um ein Futtertier zum gehaltvollen Futter zu machen muss es wiederum ernährt werden, was wiederum eine Zucht von mehreren Phytoplanktonarten oder die Ernährung durch Planktonkonzentrategemische voraussetzt.

Um zum Beispiel die Reproduktion von Copepoden überhaupt zu ermöglichen ist unter anderem die Fütterung durch Kieselalgen erforderlich. Aber es ist möglich und auch nicht zu schwierig wenn man bereit ist einen gewissen Aufwand zu betreiben. Weiße Mückenlarven werden zwar gern gefressen, aber bei Fischen mit kurzem Darm oder fehlenden Magen (Röhrenmäuler) wird dieses Futter unverdaut ausgeschieden.

Futter wie Regenwürmer oder Enchyträen besitzen in ihrer Haut Kollagen, das ist für Fische nicht verdaulich, eventuell ist dieses Futter vor der Verabreichung zu zerschneiden.

Analyse des Regenwurms: 80% Wasser, bis 12% Eiweiß, 2,5% Fett Enchyträen sind sehr fetthaltig, der Bestandteil kann zwischen 5 und 10% betragen.

Sehr gutes Futter findet man im Schlick unserer heimischen Meere: Polychaeta (Vielborster); man siebt den Schlick durch ein Sieb mit 1 mm Maschenweite.

Miesmuscheln sind für die Fütterung junger Fische ein sehr gutes Mittel, es muss entsprechend verkleinert werden.


Fuetterung von aquarienfischen fotos t.jpg


Frostfuttermittel

Ein geeignetes Frostfuttermittel sind die marinen Futtertiere. Es gibt durchaus eine akzeptable Palette und die Verfügbarkeit ist durch den Fachhandel meistens ausreichend. Diesen Vorteilen gegenüber der doch bisweilen aufwändigen Lebendfutterzucht stehen aber auch einige Nachteile gegenüber. Das hängt mit den Inhaltsstoffen der Futtertiere zusammen.
Es ist eine Frage wie lange die Tiere ab dem Fang leben bis sie eingefrostet werden, die Methoden der Konservierung spielen eine Rolle und die Behandlung dieser Materialien bis zum Zeitpunkt der Fütterung. Die Futterstoffe und das Futtertier selbst unterliegen durch enzymatische Prozesse einer ständigen Veränderung. Auch wenn das Tier nicht mehr lebt sind diese Prozesse nicht angehalten. Hochmolekulare Speicherstoffe zerfallen in Niedrigmolekulare.
Diese Veränderungen (Autolyse) sind nur durch die so genannte Schockfrostung eine gewisse Zeit zu verlangsamen. Dazu kommen die durch Transportwege bis zum Fütterungszeitpunkt ungewissen Garantien der Einhaltung der Kühlkette usw. die das Futter recht schnell verderben.

Die Einfrostung wiederum ist mit Salz armen Wasser durchzuführen, da Salz den Gefrierpunkt herabsetzt, der Gefrierprozess selbst ist mit sehr tiefen Temperaturen durchzuführen (-60°C). Doch der erstgenannte Punkt ist für das Futtermittel kritisch. Durch das osmotische Gefälle wird vielfach die Epidermis beschädigt. Das hat zur Folge das Austreten von Körperflüssigkeiten. Bei Frostung durch zu hohen Temperaturen entstehen im Körper große Eiskristalle, die das Futtertier zerstören und es wertlos machen. Die Inhaltsstoffe liegen beim Auftauen als Suspension vor und die Fische fressen nur noch die leeren Hüllen.
Deshalb bin ich der Meinung das Futter nicht aufgetaut und nicht gespült zu verabreichen! Das wiederum ist freilich von der Qualität der Futtermittel abhängig- eine Probe in Seewasser aufgetauter Futtertiere ist deshalb angeraten. Futtermittel in Süßwasser aufgetaut fördern die Prozesse der Schädigung der Epidermis und sind zu vermeiden. Die Aufbewahrung der Frostfuttermittel hat bei mindestens -20°C zu geschehen um die Autolyse Prozesse zu verlangsamen.

Zu den aufgezählten Kriterien kommen weitere hinzu. Viele Futtermittel werden in Farmen gezüchtet. Die Wasserbelastung und Keimzahlen in solchen Zuchtstationen sind erheblich höher und mitunter toxisch für die gepflegten Fische. Der Einsatz von Antibiotika in solchen Farmen ist nicht unüblich und kann für unsere Fische irreparable Schädigungen bewirken.
Besonders außerhalb der EU sind die Methoden weit verbreitete Praxis. Die abenteuerliche Technik und schlecht geschultes Personal garantieren eine eher fragliche Nutzbarkeit. Ein Hinweis noch auf die Wildgemüsearten und Ost, welche gern von den Fischen gefressen werden und bisweilen für den Winter im Kühlschrank bevorratet werden. Durch ihre Struktur und von den Wasserpflanzen abweichende Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe ist der Nährwert fraglich, die Verdaulichkeit von Zellulose ist für Fische unmöglich.


Fuetterung von aquarienfischen einfluesse t.gif


Trockenfutter

Die verschiedenen Trockenfuttermittel bestehen bisweilen gegenüber dem natürlichen Futter aus erheblich abweichenden Mischungen. Eine Analyse der Inhaltsstoffe, Erzeugerdatum, Verfahrensweise der Produktion sowie Anreicherung und Konservierungsmittel werden meist nicht in ausreichender Form deklariert. Viele Hersteller verarbeiten Fischmehle mitsamt den Gräten. Der Nachteil dieser Methode ist die Anreicherung von Phosphaten im Wasser durch das Futter. Das ist bei der Produktion vermeidbar, wenn man ausschließlich Filet der Fische verarbeiten würde, da Phosphor ein wichtiger Bestandteil zum Aufbau von Knochengerüst ist und sich dort akkumuliert. Die Firma JBL verzichtet aus diesem Grund bei dem JBL Premium MariPearls Futter auf diese Bestandteile.

Trockenfuttermittel werden vielfach im Produktionsprozess hohen Temperaturen ausgesetzt (Produktion Flockenfutter). Dadurch beschädigt man wichtige Futterbestandteile z.B. Vitamine. Um den Veränderungen der Fettsäuren und damit ein vergiften der Futtermittel entgegenzusteuern werden Konservierungsstoffe beigemischt (meist Ascorbinsäure). Um Abrieb gering zu halten und die Wärmebehandlung während der Produktion zu reduzieren haben viele Futtermittel eine recht harte Konsistenz (Futtergranulate).
Fische wollen aber lieber recht weiches Futter da sie in den seltensten Fällen ihr Fressen kauen. Diese Futterarten verbleiben einige Zeit im Wasser bis sie aufgenommen werden. Damit kann das Wasser erheblich belastet werden- auf einen entsprechenden Besatz an Einsiedlerkrebsen, Muscheln, Schnecken, Garnelen usw. sollte man auf keinen Fall verzichten.

Ein wesentlicher Faktor für die Auswahl von Trockenfutter sind die Bestandteile und das Verhältnis von Proteinen, Fett/Kohlehydraten, letzterer Anteil sollte mindestens 2% besser 4% betragen und keine Bestandteile von warmblütigen Säugetieren beinhalten und es sollte pflanzliche Bestandteile aus vorzugsweise Algen enthalten.
Bestandteile von Landpflanzen sind auf Grund ihrer Struktur nicht verdaulich und sind deshalb zu vermeiden. Bestandteile wie Vitamine werden unter dem Einfluss von Sauerstoff recht bald ihre Wirkung verlieren. Grundsätzlich sind auch diese Futtermittel gekühlt und dunkel aufzubewahren. Eine Auswahl in Bezug auf ihre Zusammensetzung ist aus dem Bild entnehmbar und natürlich kann ich nicht alle Futtermittel auflisten

Fuetterung von aquarienfischen futtervergleich t.gif


Kann man durch geeignete Wasserbewegung ein Lebendfutter simulieren?

Man sollte es unbedingt versuchen. Ein recht gutes Mittel ist eine aufsteigende Strömung durch ein Closed Loop zu erzeugen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

• Großflächige Strömung für Nano- oder Großaquarien ist in beliebiger Form möglich

• Wirbelnde Wasserbewegung

• Keine Scherkräfte auf Niedere Tiere

• Futter bleibt schwebend - "Fluchtbewegung"

• Besonders gut für Sandbett Aquarien geeignet

• Ideal für Anemonen und LPS Korallen

• Ideal für Plankton fressende Tiere


Fuetterung von aquarienfischen loop t.jpg


Für die Fütterung sind natürliche und lebende Futterarten zu bevorzugen. Bei Aquariumhaltung ist Wert auf eine Fütterung durch Fett reiches Futter zu legen um die Wasserbelastung zu reduzieren. Ersatzfuttermittel wie Frostfutter und Trockenfutter sollten nach Möglichkeit in Schwebe gehalten und eine Art Fluchtverhalten aufweisen. Möglich ist das durch eine geeignete Auswahl der Strömungserzeugung (Closed Loop). Einer Fütterung mit geringen Mengen und häufigen Intervallen ist der Vorzug zu geben.
Abwechslung im Futterangebot ist für das Wohlbefinden der Fische wichtig, da kein Futterträger allein die gesamte Palette der benötigten Futterstoffe abdecken kann. Pflanzliche Bestandteile für carnivor bzw. omnivor fressende Tiere und tierische Bestandteile für herbivor sich ernährende Tiere sind unverzichtbar. Grundsätzlich ist auf das Vorhandensein von Karotin zu achten. Die häufigste Futtergröße der Futtertiere beträgt, wenn man die Maulöffnung auf einer Skala mit 10 bewertet, 2-3. Bei groß mäuligen Fischen ist gelegentlich ein großer Futterbrocken zu verabreichen um ihrer Ernährungsweise entgegen zukommen.

Mit freundlichen Grüßen
Dietmar S.



Fuetterung von aquarienfischen tipps t.jpg

• Prof. Dr. Heinz Bremer, Aquarienfische gesund ernähren

• Pio Fioroni, Evertebratenlarven des marinen Planktons

• Ronald Victor Tait, Meeresökologie

• Dr. Gisela & Prof. Dr. Kurt Deckert, Wie verhalten sich Tiere

• Sebastian Müllegger, Das See- Aquarium

• Axel Gutjahr, Aquarienfische gesund ernähren, (Das Aquarium)

• Aarie de Graf, Das tropische Meerwasseraquarium

• JBL Informationsmaterial

• Reef Star Informationsmaterial


--Thomas 22:24, 26. Jan. 2010 (UTC)

Persönliche Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Hauptkategorien
Spezial
weitere Kategorien
Hochladen
Werkzeuge
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits